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Wenn die Sonne im Bauch hinter Wolken versteckt ist

 

Der Solarplexus, die Mitte des Körpers, ist ein seit Alters her bekanntes Energiezentrum, das Geist und Gefühl vereint. Empfindungen wie Freude, Angst oder Wut spüren wir am deutlichsten im Bauch. In medizinischen Fachkreisen ist der Solarplexus, das Sonnen - oder auch Zentralnervengeflecht, bekannt als eine intensive und vielfache Ansammlung von Nervenverbindungen. Das vegetative Nervensystem, das unter anderen auch zuständig ist für Anspannungs - und Entspannungsimpulse, hat eines seiner Hauptzentren im Bereich der Körpermitte. Wenn dieses Zentrum aus dem Gleichgewicht gerät, kann sich das auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Zunächst ist es vielleicht ein diffuser, eher energetischer Schmerz. Wenn dieser jedoch lange Zeit übergangen wird, kann auch ein ganz konkretes Organ beginnen Symptome zu zeigen. Sowohl Kinder, als auch Erwachsene haben dann zum Beispiel keinen Hunger mehr oder ihnen ist speiübel oder sie müssen viel essen, damit der Schmerz weggeht. Oder es stößt ihnen auf oder es zwickt und zwackt und rumort unerhört herum.

 

Was tut denn weh?

Kinder klagen manchmal aus unerfindlichen Gründen über Bauchschmerzen.

Das führt Eltern oft auf eine lange Odyssee der Schmerzsuche.

Denn Bauchweh bei einem Kind heißt noch lange nicht, dass es auch der Bauch ist, der weh tut. Es kann auch bedeuten, dass der Kopf, der Hals, das Bein oder irgendein anderes Körperteil schmerzen. Da Kinder Schmerz meist als zentral, also aus der Mitte kommend empfinden, erkennen sie den ursprünglichen Ort nicht und sagen dann einfach :“Bauch“. Unabhängig davon befinden sich im Bauchraum eine Vielzahl vom Lymphbahnen und - knoten, die zum Beispiel bei einem Infekt oder entzündlichen Prozess anschwellen und schmerzen können. Das sollten Sie natürlich prüfen und auf weitere Hinweise wie Fieber, Schwellungen, zunehmende Schmerzen, Erbrechen, Durchfall usw. achten und dann in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

 

Manchmal kommt das Weh im Bauch aber nicht von einer körperlichen Ursache, sondern hat seinen Ursprung eher in einem ungelösten seelischen Problem des Kindes. Besonders, wenn es plötzlich nicht mehr zur Schule möchte, sich zurück zieht oder seine Ess – und Schlafgewohnheiten ändert. Ärger in der Schule, Wut auf Freunde und Angst vorm Schlafengehen können ebenso ein Grummeln im Bauch auslösen, wie Gefühle von Einsamkeit oder Unsicherheit nach einem Umzug, Lernschwierigkeiten, die Geburt eines Geschwisterchens oder der Tod eines nahen Verwandten. Der Bauch ist der 'Sitz' der Gefühle und hier bewegt sich nicht nur bei Kindern so einiges, wenn Emotionen ins Spiel kommen.

 

Dem Schmerz auf die Spur kommen

Um Kindern und Eltern zu helfen, der Ursache des Schmerzes leichter auf die Spur zu kommen und somit dem eigentlichen Problem direkter begegnen zu können, gibt es einige kleine Hilfen. Wenn Ihr Kind über Bauchweh klagt, können Sie es zum Beispiel erst einmal fragen, wo genau denn der Bauch wehtut. Lassen Sie sich die Stelle genau zeigen. Nicht so irgendwie, sondern am besten mit zwei, drei Fingern genau den Ort zeigen lassen. Überraschungen zeigen sich schon hier, wenn das Kind plötzlich an sein Ohr oder Bein fasst...und dann sollte man diesem Schmerzort natürlich nachgehen.

 

Wenn es nun der Bauch ist und eine konkrete Stelle, auf die Ihr Kind deutet, können Sie es fragen, ob es zwickt oder drückt oder brennt oder schneidet. Am besten zeigen Sie ihm vorher an einer anderen, nicht schmerzenden Stelle des Bauches, was Sie damit meinen. Machen Sie zum Beispiel eine sanfte leicht drückende Bewegung mit dem Handballen oder eine zart schneidende Bewegung mit dem Finger oder kribbeln mit den Fingerkuppen auf der Bauchdecke und fragen, ob sich der Schmerz in etwa so anfühlt, nur doller - oder eher anders. Als nächstes können Sie Ihr Kind bitten, zu sagen ob der Schmerz eine bestimmte Farbe hat. Ist er blau oder braun oder grün oder gemischt oder rot oder gelb....?

 

Ein kleiner Gnom im Bauch

Wenn er ein Gnom wäre, wie sieht er aus? Ist er groß und schwer oder klein und gemein? Hat er die Augen auf oder zu? Hat er spitze Zähne, eine lange Zunge, riecht er komisch oder sabbert er? Diese und weitere Fragen, die ich Ihrer Phantasie überlasse, können erst mal helfen, den Schmerz konkret zu machen. Sie können den Gnom auch malen lassen. Je nachdem, wie gut Ihr Kind mitgehen kann, könnten Sie jetzt fragen, was denn der Gnom braucht, um wieder aus dem Bauch auszuziehen oder wenigstens nicht mehr zu zwicken. Oft schildern Kinder dann erstaunlich genau, was es braucht, damit der Schmerz nachlässt. Zum Beispiel will der Gnom mal alleine mit der Mama spielen, ohne den kleinen Bruder oder er will, dass Mama und Papa nicht mehr streiten oder dass die Lehrerin nicht immer so schreit oder er will, dass der Opa aus dem Himmel wiederkommt oder oder.... Ermuntern Sie Ihr Kind, all das aufzuzählen, was der kleine Gnom im Bauch braucht und unterbrechen Sie es nicht. Wenn deutlich geworden ist, was das unwohle Gefühl im Bauch braucht, können Sie gemeinsam mit dem 'kleinen Gnom' sprechen. Sagen Sie ihm, dass Sie zum Beispiel ab jetzt genau hinhören, wenn er zwickt und ihm das geben, was er braucht, um wieder von dannen zu ziehen.

 

Das kann eine längere Gute-Nacht-Geschichte sein, ein Bestimmer-Tag im Monat oder dass er so lange und so oft er will, über Opa im Himmel sprechen kann oder dass er manchmal Mittagskind in der Kita sein kann. Versprechen Sie dem Gnom das und halten Sie es auch ein. Manchmal braucht der kleine Gnom vielleicht auch eine Medizin, Tröpfchen oder kleine Kügelchen, um nicht mehr so traurig oder garstig oder verlassen zu sein. Dann sagen sie ihm, dass sie ihm die Medizin geben, damit er wieder aus dem Bauch ausziehen und frei umher spazieren kann, ohne eingesperrt zu sein und deshalb andere zu ärgern. Zusätzlich kann es helfen, wenn Sie Ihrem Kind erklären, dass der kleine Gnom im Bauch sich eigentlich nur wohlfühlt, wenn es dort ein bisschen dunkel und schummrig ist. Ist es dort aber hell, will kein Gnom da lange wohnen.

 

Wie die Sonne im Bauch wieder scheint

Erzählen Sie Ihrem Kind, wie es wieder Licht im Bauch machen kann.

Bitten Sie es, dass es die Augen schließt und erst ein paarmal ruhig aus – und einatmet.

Dann kann es sich vorstellen, wie aus dem Himmel ein ganz zartes violettes Licht auf den Kopf fällt und von dort in es hineinfließt. Wenn es ein Mädchen ist, können sie noch glitzernden Feenstaub dazu machen und bei einem Jungen vielleicht einen Ritterhelm aus Licht. Je nachdem, was die Vorlieben Ihres Kindes sind. Nun bitten Sie es, das violette Licht einfach immer weiter nach unten fließen zu lassen, in den Körper hinein und wohin es will. Wenn das Licht im Bauch angekommen ist, lassen Sie es dort für eine Weile ruhen. Jetzt kann es überall hinleuchten und es wird heller und heller im Bauch. So hell, dass daraus nun eine schöne gelbe, wärmende Sonne geworden ist, die ihre Strahlen im ganzen Bauch ausbreitet. Lassen Sie Ihr Kind diese Sonne genießen, wie sie sich ausdehnt und wenn man genau hinspürt sogar vibriert und pulsiert, ein bisschen wie ein Herz, das klopft. Wenn es das spürt, bitten Sie es, dieses Licht mitten aus dem Bauch auch nach außen strahlen zu lassen. Ungefähr so, wie man ausatmet. Mit jedem Ausatmen pulsiert und strahlt die Sonne immer mehr und macht auch seine Umgebung hell und heller. Es kann passieren, dass nun ein Glucksen auftaucht oder ein Lachen oder ein Kribbeln wie Brausepulver. Das ist die Freude, die in der Sonne wohnt. Endlich ist sie wieder da. Und eigentlich ist sie immer da, nur manchmal muss man erst die Wolken beiseite schieben. Und wenn es dann hell ist im Bauch, mag da auch kein Gnom mehr wohnen.

 

Mit diesen kleinen Hilfen können Sie Ihr Kind unterstützen, dem diffusen Schmerz im Bauch zunächst einen Namen zu geben. Im nächsten Schritt geben Sie ihm die Nahrung, die es braucht, um ihn zu lösen und helfen ihm, den Ort im Innern so hell zu machen, dass kein Schmerz lange darin wohnen will. Zunächst braucht es Ihre Anleitung und Unterstützung. Doch mit ein bisschen Übung kann Ihr Kind sich eines Tages auch selbst helfen. Dann werden Sie vielleicht erleben, dass es unerwartet lebendig und klar ausspricht, was ihm wehtut und was es braucht. Kummer und Schmerz können sich nicht einnisten, denn in Bauch und Seele ist es schon bald wieder hell.