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Die Wiedergeburt des Lichts

Bald ist es wieder soweit: Zur Weihe-Nacht, der heiligen und geweihten Nacht, feiern wir hier im Abendland die Geburt Christi. Doch der eigentliche Brauch, eine Wiedergeburt oder die Neuankunft des Lichtes zu feiern, ist schon weitaus älter und wurde auch in anderen Kulturen zelebriert. Lodernde Feuer zur Wintersonnenwende, geschmückte Bäume, Kränze und reich gedeckte Tische begleiten uns Menschen schon seit alters her.

 

Das heilige Fest taucht zum Beispiel als Jul in den nordischen Kulturen auf, in Ägypten als die Geburt des Horus-Kindes und in Griechenland als der Dionysos-Kult.

Erst im Jahr 217 wurde von Papst Hippolytos der 25. Dezember als Christus' Geburtstag eingesetzt. Und seit im Jahr 330 von Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde, feiern wir hierzulande alljährlich das Weihnachtsfest zu Ehren der Geburt Christi in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember.

Die Nacht der Wintersonnenwende, die wir am 21. Dezember begehen, liegt nicht zufällig so nah bei diesem Datum. Es ist die längste und dunkelste Nacht des Jahres und trägt auch den Namen Mutternacht oder althochdeutsch Modranecht. Mit Beginn des Tages, der auf diese Nacht folgt, wird aus dem Schoß der Mutter Erde das Licht wiedergeboren. Das Licht, das über die Dunkelheit triumphiert, steht für den Neubeginn allen Lebens. Und mit jedem Tag und jeder Sonnenstunde nimmt sein Leuchten zu.

Bevor die Sonne jedoch an Stärke gewinnt, bringt uns die Wintersonnenwende zunächst eine Zeit des Abschiednehmens und der Wandlung. Wir lassen das Alte im Dunkeln zurück und bereiten uns vor, das Neue zu begrüßen. Denn noch hat das Licht nicht die wärmende Kraft. Das Neue ruht noch wie ein Keimling im Schutz der Erde. Es ist noch nicht der Augenblick hervorzubrechen, sondern die Zeit des sich Vorbereitens, Ruhens und Besinnens auf unsere Quelle.

Jetzt ist auch der Beginn der 12 Rauhnächte, in denen wir aufgerufen sind, zu uns selbst zurückzukehren. Nächte und Tage der Reinigung, Innenschau, Segnung und Weihung. Eine Zeit der Ahnung, Hoffnung und des Kraftschöpfens. In Stille bereiten wir uns auf das vor, was das neue Jahr uns bringen mag.

 


Rituale und Symbole

Seit alters her begehen wir um die Zeit des Jahreswechsels herum Rituale, deren Ursprung uns kaum noch bekannt ist. Doch gerade diese alten Riten sind es, die unsere tiefe Verbindung mit den Kreisläufen der Natur und des Kosmos widerspiegeln.

 

So ist der Weihnachtsbaum zum Beispiel ein Symbol, das bis in die Steinzeit zurückreicht und trotz Strafandrohungen der katholischen Kirche nicht aus unseren Bräuchen verbannt werden konnte. Der Weihnachtsbaum ist ein Abbild des Weltenbaumes, der mit heiligen und mystischen Symbolen geschmückt wurde. Nüsse der Weisheit, goldene Äpfel, umwickelte Quarzkristalle und lebenspendende Lichter zieren seit jeher den Tannenbaum, der das Leben und die Himmelsleiter symbolisiert.

 

Die alte nordische Göttin Frigg oder Percht, die in den Rauhnächten mit Odin oder Jolnir durch den Himmel jagt, kennen wir auch aus dem Märchen 'Frau Holle'. Dort lässt sie Schnee aus den Wolken fallen, wenn sie die Betten aufschüttelt. Als Archetypus der Nacht und des Todes begegnen wir der Pechmarie (auch die schwarze Percht genannt) und als Archetypus des Lichtes und des Lebens begegnen wir der Goldmarie (auch die helle Percht genannt).

 

Die reich gedeckte Tafel zum Weihnachtsfest entspringt dem alten Brauch, dass Frauen von der Göttin Percht oder Frau Holle besucht werden wollten, um ein Kind zu empfangen. Sie deckten den Tisch mit Haferbrei, Früchten, Fisch und Nüssen, aßen Kümmelkuchen, tranken Wein und schmückten den Tisch mit Kräutersäcklein und getrockneten Blüten um die Göttin einzuladen und ihren Segen zu erbitten.

 

Auch in den Farben der Weihnacht spiegeln sich alte Symbole wieder.

So trägt der Mantel der Mutter Maria die selbe Farbe, wie der des Gottes Odin: ein tiefes Blau. Die Farbe der Wintersonnenwende.

 

Der Brauch, kleine Fliegenpilze als Weihnachtsschmuck aufzuhängen, rührt von einer Tradition der Schamanen her, die rot-weißen Pilze für ihre inneren Reisen und Visions-Flüge zu verwenden. Nicht von ungefähr kommt die Geschichte, dass der Weihnachtsmann im rot-weißen Gewand mit den Rentieren durch den Himmel fliegt.

 

Und in der Astrologie stehen das Zeichen Steinbock (22.12. - 20.01.) und sein dazugehöriger Planet Saturn unter anderem für die Ahnen, Einkehr, Stille, Prüfungen und Tod. Bevor das Zeichen des Wassermanns im Sinne des Neuen kommt, muss alles Alte und Versteinerte überprüft und letztlich zurückgelassen werden.

 


Zwischen der Zeit

Die auf die Weihnacht folgenden Tage und Nächte nennen wir auch 'zwischen den Jahren' – eine Zeit zwischen der Zeit. Die Natur schweigt und wir schweigen auch. Alte Wunden können heilen. Wir halten inne, um Licht ins Dunkel zu bringen. Um zu erkennen, was uns wirklich wichtig ist, braucht es Klarheit und Ruhe. Und dann, Tag für Tag ein bisschen mehr, kann das Licht in uns aufsteigen. Bis es hell erstrahlt.

Alle Traditionen und Riten, alt oder neu, sprechen in ähnlichen Symbolen vom Kreislauf des Lebens. Sie sind Entsprechungen und Bilder für die Verbindung zwischen Mensch und Natur und berühren ein Wissen, das schon immer in uns wohnt.

 

Und so ist dies auch eine Zeit der Dankbarkeit, für alles was uns geschenkt wurde. Eine Wertschätzung des Alten und ein frohes Begrüßen des Neuen, das da kommen mag.

 

Zünden wir also ein Licht an. Jede Woche eines mehr.

Im äußeren und im inneren Heim.

Vorfreude, schönste Freude!

 

Eine lichtwerdende Zeit Euch allen,

von Herzen!

 



 

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