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Was wäre wenn?

In weniger als zwei Wochen steht es in unserem Land nun wieder an, dass wir unsere Stimme abgeben. Wir geben sie denen, die uns versprechen, dass sie die Sache in unserem Sinne regeln. Die, denen wir unsere Stimme geben, sollen die Dinge auf der großen Bühne, die die Weltgeschicke lenkt, in Ordnung bringen – und halten.

In diesem Vertrauen nehmen wir unsere Stimme und geben sie einem anderen. Das, was wir zu sagen hätten, soll er oder sie für uns sagen. Damit es gehört und bedacht und abgewägt wird. Es ist besser, wenn er oder sie es sagt. Das hat mehr Gewicht und führt auch nicht zu millionenfacher Verwirrung. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder etwas zu sagen hätte?! Und wo kämen wir hin, wenn jeder eine Stimme hätte, die er behält...nicht für sich, sondern um etwas zu sagen?!

Wer will das schon hören und wie könnten wir dann je zu einer Entscheidung kommen?

Darüber, wer welche Steuern zahlt, wofür Geld ausgegeben wird, was verboten und was erlaubt ist, welche Straßen gebaut werden, was die Natur braucht, wo Kriege nötig sind, wem wir helfen dürfen und wem nicht, wie Kinder betreut werden, was sie lernen müssen, darüber was gesund ist und was krank, darüber was rechtens ist und was unrecht....wer könnte denn besser darüber entscheiden, als die, die wir gewählt haben? Damit sie unsre Stimme vertreten, im großen Gefüge.

 

Das ist das demokratische Prinzip. Die von uns Gewählten dürfen etwas sagen und dann wird mit allen anderen Gewählten drüber abgestimmt und entschieden. Dem einen mag's passen, dem anderen nicht.

Wenn wir nun ganz lebensnah in das politische Geschehen schauen, ist das mit der Umsetzung etwas schwierig. Je höher jemand in seinem Amt steigt, umso größer wird der Abstand zum Volk. Dienstwagen mit getönten Scheiben und Chauffeur, Kostüme, Anzüge, Privatfriseure, Privatärzte...beim Essen ist man stets unter sich, alles Schriftliche liest und sortiert und verwirft ein Sekretär schon mal vor, Berater und Gremien sind handverlesen auf Linie – da kommt man, außer wenn man mal das Fenster aufmacht und frische Luft reinlässt, nicht mehr so unbedingt in Kontakt mit dem wirklichen Leben. Auch nicht mit Widersprüchen oder Ungereimtheiten oder menschlichen Tragödien.

Sinngemäß entfleucht dem einen oder anderen dann schon mal der historische Satz:

Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“

Kognitive Dissonanz ist da nicht weit entfernt.

Wenn Windräder die neue Energiequelle sind, was schert mich dann das Vogelsterben.“

Wenn ich Flüchtlinge nicht in unser Land lassen will, was schert mich dann, dass sie aus Kriegsgebieten kommen, die ich durch Waffenlieferungen unterstützt habe.“

 

Doch es soll heute hier nicht darum gehen, den Irrsinn dieser Welt erneut an den Pranger zu stellen. Vielmehr geht es mir um die Frage: „ Wem oder was geben wir unsere Stimme – und warum?“

 

In alten Zeiten – und damit meine ich mehr die mystisch alten Zeiten – wurden jene zum König eines Landes gewählt, die ein Herz aus Gold hatten. Man könnte auch sagen, sie hatten ein weises Herz. Sie waren von edlem Gemüt, ihr Geist war hell und strahlend und eine Orientierung für alle, die sich in Dunkelheit verirrt hatten. Das Licht in ihnen war Leuchtturm und sichtbar gewordene Verbindung zu Gott gleichermaßen. Ihr Herz war demütig Gott und den Menschen gegenüber. Ihr Leben war ein Dienst. Und nur aus diesem Grunde waren ihre Entscheidungen weise.

Das war es, was diese Könige ge-adelt hat. Das war es, was ihre Seele und jeden, dem sie begegneten, ver-edelt hat.

Erst später, durch die menschlichen Wirrungen und Erfahrungswege, wurde daraus ein Adelsgeschlecht, dass sich vermeintlich durch Blut und Gene vererben ließe....auch das wurde verdinglicht und profanisiert, wie vieles andere im Laufe unserer Menschheitsgeschichte.

 

Nicht dass hier Missverständnisse entstehen, ich bin kein Freund von Monarchie oder sonst einer menschenverachtenden, rückschrittlichen Gesellschaftsform.

Am ehesten könnte man sagen: Ich bin kein Freund von seelenlosen, verhärteten Strukturen, die nur noch dem einen Zwecke dienen. Sich selbst zu erhalten und Menschen zu unterwerfen.

Bis jetzt ist mir noch keine Gesellschaftsform begegnet, die mir ein Ideal wäre.

Denn wenn sie auch noch so fortschrittlich wäre, steht und fällt sie doch mit dem Bewusstsein der Menschen. Und das steht immer da, wo es ist. Das ist für mich bitter und erhellend zugleich.

 

Warum ich all das hier geschrieben habe, hat mehr folgenden Impuls:

Wäre es nicht eine gute und durchaus praktikable Sache, wenn wir uns mal ein bisschen mehr um unser eigenes Licht im Innern kümmern?!

Was, wenn wir unsere Stimme behielten? Sie in den Dienst der Menschen stellen und durch sie ausdrücken, was in einem stillen Moment vielleicht wirklich aus der Weisheit unseres Herzens kommt? Was, wenn wir statt nach Königen und Kanzlern im Außen Ausschau zu halten, anfangen würden, selbst ein Licht in dieser Welt zu sein?

 

Was wäre wenn?

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Leela (Donnerstag, 16 September 2021 15:02)

    Liebste Freundin,
    Dankeschön für deine treffenden Worte. Meine Gedanken und Absichten gehen in die gleiche Richtung.
    Bei dir gefällt mir, dass du nicht im Protest und der Verweigerung bist, sondern ganz liebevoll und freundlich deine Stimme für Lichtvolles einzusetzen gedenkst.
    Ein wirklich heilsamer Impuls!
    Sei umarmt und gesegnet
    von deiner Leela �