Dunkel stieg es auf, wie ein altes Versprechen. Etwas Verlorengegangenes war zu ihr zurückgekehrt. Wie im Schatten alter Bäume, unter die man sich setzt, um auszuruhen, hatten die Jahre still etwas reifen lassen.
Waren die jungen Stunden noch luftig und flirrend, hatten sie sich jetzt zurückgezogen, um etwas Platz zu machen, das nach warmer Erde roch. Bewahrend und schützend. Nährend und mahnend. Sie begann, sich zu wandeln.
In der Stille entdeckte sie das vor sich und den anderen Verborgene. Das in die Fäden der Zeit Verwobene. Verdrängtes und Verschwiegenes, das lange schlief. Es hatte sie einstmals erschrocken. Nun dort hinabzusteigen, kostete sie Mut...und ihre Jugend. Sie spürte die Schwere und den Schatz gleichermaßen. Uraltes Wissen und Erfahrung lagen darin behütet. Und ihr war, als ruhe an jenem Ort der Keim, aus dem alles Leben hervorging. Auch das Sterben. Dort waren Tiefe, Kraft, Wohlwollen, Magie, Unerschütterlichkeit und völlige Zuversicht.
Die ewig Junge und Eilende konnte sie nun getrost der Weisen anvertrauen, die zurückgekommen war. Jener, die sie gerade wurde... und immer war.
In den heiligen Momenten spürte sie die Hände im Schoß der Alten.
Und sie sah die Ahnin im Spiegel ihrer selbst.
Manchmal war ihr, als würden Hunderte bei ihr stehen. Alle die noch kommen würden und alle die schon gegangen waren. Sie waren ein Teil von ihr und sie war ein Teil von ihnen. Die, die noch im Dunkel waren, wurden lebendig. Die, die vergessen wurden, traten aus dem Schatten hervor.
Und in manchen Nächten wurde ihr offenbar: Das Morgen lebt nicht ohne das Gestern. Das Hohe nicht ohne das Tiefe. Das Junge lebt nicht ohne das Alte. Das Licht nicht ohne die Dunkelheit.
Sie sind eins.

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