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Über das Schenken

In dieser besonderen Zeit fragen wir einander: „Was wünschst du dir zu Weihnachten?“ Und die Antworten, die wir bekommen, könnten verschiedener kaum sein. Manche antworten, sie hätten alles und bräuchten nichts. Doch wenn man genauer hinschaut, scheint ihnen dennoch etwas zu fehlen. Was könnte das nur sein?

Andere sinken bei dieser Frage in etwas zurück, was nur sie kennen. Vergangene Feste im Kreis ihrer Lieben vielleicht oder ein Gesang unterm Weihnachtsbaum.

Ich selbst habe wohl als Kind auf diese Frage öfter geantwortet: „ Frieden!“

Manches was wir uns wünschen, lässt sich schenken, anderes bleibt unerfüllt.

 

Neulich hörte ich eine ältere Dame zu ihrem Partner sagen, dass sie sich seine Begleitung zu einem kleinen Orgelkonzert zu Weihnachten wünscht. In einem Altersheim wurden Leute gefragt, was ihnen eine Freude bereiten würde. Kopfhörer, Eierlikör oder eine Tafel Vollmilchschokolade waren die Antworten. Von einem Vater hörte ich, dass er sich nichts sehnlicher wünsche, als seinen Sohn einmal wieder umarmen zu können. Der war vor einigen Jahren nach Australien ausgewandert und seitdem hatten die beiden sich nicht mehr sehen können. In manchen Landstrichen sind für Kinder ein neues Paar Schuhe das größte Geschenk und hierzulande stehen Computerspiele, Legostädte oder gehypte Kuscheltiere auf dem Wunschzettel.

 

Woher kommt eigentlich der Impuls, einem anderen Menschen etwas zu schenken?

Der christliche Brauch des Schenkens stammt ursprünglich vom Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert lebte und armen Menschen half, indem er ihnen heimlich Gold schenkte. Ihm zu Ehren feiert man bis heute am 6. Dezember das Fest von St. Nikolaus und steckt den Menschen heimlich gute Gaben in den Stiefel. Im Zuge seiner Reformen verlagerte Martin Luther jedoch die Tradition des Schenkens auf den Heiligabend. Daraus wurde unsere heutige weihnachtliche Bescherung. Jetzt erinnern die Geschenke, die wir einander geben, an die Gaben der Heiligen drei Könige, die dem Jesuskind Weihrauch, Gold und Myrrhe brachten.

 

Doch mal abgesehen von unserer abendländischen Kultur und Religion, die uns zu Weihnachten das Ritual des Schenkens zelebrieren lässt... warum schenken wir einander etwas? Gelegenheiten gibt es ja viele. Geburtstage, Hochzeiten, Taufen, Namenstage, Jahrestage. Im besten Fall überlegen wir uns als Schenkende, was dem anderen wohl eine Freude machen könnte. Wir schauen, was der andere mag, was er brauchen könnte oder was vielleicht seinen Tag erhellt. Manchmal suchen wir gezielt danach, ein anderes mal „findet“ uns vielleicht das Geschenk. Wir möchten dem anderen etwas geben. Und ihm sagen: „ Du bist mir wichtig. Ich hab an dich gedacht.“

 

Etwas geben…. Wovon? Von dem, was wir übrig haben, von dem was wir nicht mehr brauchen? Oder eher von dem was uns selbst sehr gefällt? Von etwas, das uns wirklich kostbar ist?

Möglicherweise haben wir viel Zeit damit verbracht, etwas für jemanden herzustellen. Oder wir haben lange nach etwas Bestimmten gesucht, von dem wir wussten, es lässt die Augen des anderen leuchten. Und als das Geschenk dann bereit war, haben wir es schön eingepackt. Kunstvoll oder kreativ das umhüllt, womit wir den anderen erfreuen wollen.

 

Manchmal ist ein Geschenk sehr glitzernd und mit aufwendigen großen Schleifen verpackt, aber wenn die Verpackung ab ist, finden wir darin nicht, was die Hülle versprach. Ein anderes Mal sieht etwas vielleicht auf den ersten Blick sehr schlicht aus, birgt aber in sich etwas wunderschönes, vielleicht sogar ein Fünkchen Liebe…

Bei einigen Gaben ist die Symbolkraft das Schönste, unabhängig von ihrem finanziellen Wert. Berührend ist ein Geschenk immer, wenn man spürt, der andere hat uns wirklich gemeint.

 

Und dann gibt es noch Geschenke, die sind weder ein Ding, noch kosten sie Geld.

Zeit, die wir geben zum Beispiel oder ein gutes Wort. Ein achtsamer Moment im Vorübergehen, ein Lächeln für die Kassiererin. Für ein paar Augenblicke jemandem zuhören, auch wenn es uns schwerfällt. Jemanden anrufen, der allein ist. Stunden am Herd stehen, um für die Familie ein gutes Essen zu bereiten. Ein Lied anstimmen dort, wo schon lange nicht mehr gesungen wurde. Ein Bett frisch beziehen, einen Tisch decken.

All das ist nicht selbstverständlich. Es wird geschenkt.

 

Schenken ist immer Geben. Etwas von sich geben. Manche geben mehr, manche weniger. Jeder nach seiner Facon. Doch seltsamer Weise wird niemand dabei ärmer. Im Gegenteil. In Wahrheit beschenkt der Beschenkte den Schenkenden. Durch seine Freude. Denn die kehrt ins eigene Herz zurück, wie ein altes Sprichwort sagt.

 

Ohne Hintergedanken etwas (von sich) zu geben, ist eine hohe Kunst. Wirklich schenken zu können ist ein Segen. Es kann uns daran erinnern, dass wahrer Reichtum nicht in den Dingen liegt. Sondern in unseren Herzen.

 

In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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Kommentare: 2
  • #1

    Monika (Dienstag, 16 Dezember 2025 22:59)

    Danke liebe Frauke, daß Du uns mit Deinen Gedanken, in schöne Worte gekleidet, auch diesmal ein Geschenk von Herzen bereitet hast.

  • #2

    Birgit Maniscalco (Mittwoch, 17 Dezember 2025 07:47)

    Ich liebe deine Worte, danke dafür! Ich habe Angst vor "schlechten " Geschenken, die dann unnütz sind ,deshalb mache ich eine Liste mit Dingen...aber Zeit mit liebe ist das schönste Geschenk dir auch besinnliches Fest