Neulich saß ich auf meinem Sofa und es waren keine Geräusche im Raum. Auch nicht vor dem Fenster und auch nicht vor der Tür. Die Welt schien still und nichts zog meine Aufmerksamkeit nach außen. Ich war unruhig und bemerkte, wie meine Augen hin und her wanderten und dann wieder auf einen Punkt starrten, so wie sie es tun, wenn man viel nachdenkt. Und dann hörte ich den dröhnenden Lärm, den meine Gedanken machten.
Sie haderten mit der Kälte, mit der Jahreszeit, mit dem Alleinsein, mit dem was neulich ein Freund sagte und mit dem Krankenstand auf der Arbeit. Alsbald entwarfen meine Gedanken konkrete Bilder davon, wie es eigentlich sein müsste. Was jemand sagen müsste, was Menschen tun sollten, wie ich leben möchte und welche Temperaturen die passenden sind.
Als dieser Bühnenumbau erledigt war, gestaltete sich ein neuer Akt in meinem Geist. Neue Szene, neues Bühnenbild. „Dieses und jenes müsse anders sein, wenn es doch nur so wäre, wäre längst alles bestens.“ Eine lange, lange Weile ging das so. Währenddessen saß ich auf dem Sofa und atmete. Genau genommen geschah nichts. Nur in meinem Kopf. Da tobte ein Krieg. Ein Theaterstück, eine Komödie, ein Drama in siebenundfünfzig Akten. Doch plötzlich legte der Regisseur eine Pause ein. Und ich sah förmlich vor mir, wie all diese Gedanken nicht nur meinen Geist, sondern auch mein Herz gefangen hielten. Wie eiserne Spangen und Ketten, die sich über das Leben in mir gespannt hatten.
Diese Gefangenschaft war absurd, geradezu lächerlich, angesichts der unentwegten Bewegtheit des Lebens...dem meine Ketten übrigens völlig egal waren.
Mit einem Schlag wurde mir bewusst, dass ich keine Chance hatte, auch nicht, wenn ich mir noch weitere Ketten schmieden würde, um meine Position zu sichern oder mich zusammenzuhalten. Es war vollständig absurd, was ich tat.
In diesem einen, winzigen Augenblick strömte Licht in mich hinein oder aus mir heraus – was das Selbe zu sein scheint. Es sprengte Ketten.
Wieviele da noch sind, weiß ich nicht. Aber ich weiß jetzt um die Kraft des Lichts.

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